Leseprobe aus dem Roman "Die Schlacht von Terria", copyright by Sabine Hildegard Riepl, Gräfin von Rothenfels

 

Es wurde noch etwas heller, vielleicht hatten sich auch nur seine Augen an die Dämmerung gewöhnt. Am Fuße der Felsen erahnte er die Umrisse einer Höhle, das flackernde Licht einer Fackel wies ihm den Weg. Wie hatten sie das übersehen können? Noch immer dachte er, seine Phantasie würde ihm einen Streich spielen. Anstatt Alarm zu schlagen schlich er ein paar Schritte näher. Wahrscheinlich träumte er ohnehin nur und er würde über sich selbst lachen. Doch es war kein Traum. Noch drei Schritte näher. Wamba atmete schneller. Das war der Schein einer Fackel! Nur ein paar Meter von ihrem Lagerplatz entfernt. Er konnte die Augen nicht von dem undeutlichen Lichtpunkt vor ihm abwenden, das war ein Fehler. Hinter ihm klackte ein Stein als wenn ein großes Gewicht ihn weg getrieben hätte.

Er fuhr herum. Aus einem Versteck unter einem überhängenden Felsen neben dem Eingang der Höhle waren ein paar fremde Gestalten aufgetaucht. Er öffnete den Mund und schrie doch es kam nur ein dumpfes Schnaufen heraus. Blitzschnell hatte sich eine große schwarze Hand über seine Lippen gelegt und jeden Warnruf erstickt. Er geriet in Panik, strampelte wild, um sich aus dem eisernen Griff des dunklen Wesens zu befreien, seine Beine baumelten in der Luft, so dass nicht einmal das Kratzen auf dem Stein die Wachen alarmieren konnte. Er wehrte sich nach Leibeskräften doch die eisernen Fäuste hielten ihn fest umklammert und schlimmer, sie trugen ihn hinein in die Höhle, die inzwischen wieder in völliger Dunkelheit versunken war. Offenbar hatte jemand diese einzige schwache Lichtquelle gelöscht. Es roch modrig, nach faulem Wasser und alter Erde und ein anderer nicht näher bestimmbarer Duft, nach Lebewesen von denen man nicht wusste ob sie Mensch oder Tier waren. Noch immer unfähig einen Laut von sich zu geben oder Aussicht auf Flucht starrte Wamba hilflos in die Schwärze des Ganges dem seine unbekannten Häscher tiefer in den Berg folgten. Er bildete sich ein, der schmale Felsengang würde ansteigen, doch da er die Erde nicht berührte hätte er es nicht beschwören können. Es war sehr still, niemand sprach, nur ein leises Grunzen der Anstrengung und das leise patsch-patsch von nackten Fußsohlen auf Stein. Schließlich glimmte erneut ein Licht in der Dunkelheit auf. Der Stollen mündete in einer weiteren Grotte, auch hier nur blanker Stein und ja, weitere Gestalten, die sich am Boden kauerten. Einer der Schatten löste sich aus der Gruppe und trat ihnen in den Weg. Eine Art Knurren das jedoch nicht unfreundlich klang, kam aus der Kehle dessen der immer noch seinen Mund zuhielt. Der Kleinere, der vor ihm stand, antwortete mit einem leisen Zischen, jedenfalls klang es in Wambas Ohren so. Ein dritter schmächtigerer Schatten brachte die Fackel heran. Gelbe Augen blitzen auf. Hätten sie ihn nicht gehindert, Wamba hätte sich die Seele aus dem Leib geschrien. Darker, ein altes runzliges Gesicht, ein graues Fell, Haar konnte man es nicht nennen, kräftige gelbe Reißzähne, lange schmutzige Krallen die an seiner Kehle entlang strichen und das schrecklichste Grinsen das er je gesehen hatte. Wamba wand sich wie ein Wurm doch vergeblich, der riesige Kerl und seine Begleiter hielten ihn fest wie in einem Schraubstock und zischelten noch immer diese grässlichen Töne die ihm die Haare zu Berge stehen ließen. Darker! Der Alte hatte offenbar genug gesehen, er winkte den Neuankömmlingen zu und sie folgten ihm ihn einen weiteren Gang noch weiter weg vom schützenden Lager, weg von Wambas Gefährten. Doch zu seiner Überraschung mündete der Weg nicht im Herzen des Felsens sondern führte wieder hinaus ins Freie. Begeistert sog er die frische reine Luft ein und jubelte innerlich, draußen wartete die Armee, seine Freunde, Rettung war möglich. Dann begriff er, sie hatten ihn weit fort geschleppt, dieser Ausgang in die freie Welt war ein gutes Stück weg vom Biwak. Alles in allem mussten sie zwei Stunden gegangen sein, die Sonne war schon voll aufgegangen, das grelle Tageslicht blendete ihn. Mit zusammengekniffenen Augen sah er sich um. Weit um breit kein bekannter Baum oder sonst ein Hinweis auf seine Waffenbrüder. In weiter Ferne ein paar Wölkchen die in den Himmel aufstiegen, es mochten die Reste der Lagerfeuer sein. Endlich stellten die Darker ihn wieder auf die Füße. ”Lauf!” befahlen sie und als Wamba noch immer keine Anstalten machte sich zu bewegen, pufften sie ihn mit Stöcken und Schwertern in den Rücken um ihn vor sich herzutreiben, immer weiter weg von allem was ihm hätte Hoffnung geben können.

 


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